Mündener Wein


Mündener Wein - Der Questenberger



Stadtteil Blume mit dem Questenberg
Alte Ansichtskarte




Seit dem Mittelalter wurde in Hann. Münden einige Zeit Weinbau am Südhang des Questenberges betrieben. Dieser Wein wird Questenberger genannt. In einer alten Quelle von 1390 wird der Questenberger als bemerkenswert guter Wein erwähnt. 

Die Qualität des Weines wird nochmals 1545 auf der Fürstenhochzeit von Herzog Erich II. und Sidonie von Sachsen 1545 auf dem Welfenschloss zu Münden bezeugt: Die Speisenfolge nennt neben 26 Fuder Frankenwein auch zwei Fuder fünfjährigen Questenberger von 1540.

"Unsere Weinberge befanden sich damals an dem an der Sonnenseite gelegenen steilen Abhange des Questenberges - 1540 geriet der Wein daselbst so vortrefflich, daß man ihn allen anderen ausländischen Weinen vorzog. Es wurden, wie oben bemerkt, bei dieser Hochzeit 2 Fuder, also 50 Anker Questenberger vertrunken!"
Quelle: Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden, 1909, 46



Am Questenberg
Quelle: Hrsg.. C. Georg Fischer u. Fr. Henze: Heimathklänge - Aus unserer Heimat unvergesslich schönen Berge, Hann. Münden 1897


Schilling'sche Weinstube von ca. 1867
ehemals Ziegelstraße 3




Werbung Schilling'sche Weinstube am Marktplatz von Carl Schäfer 1897
Quelle: Mündensche Nachrichten, Juli 1897, Stadtarchiv Münden


später Altdeutsche Weinstube am Rathaus




Altdeutsche Weinstube um 1914
Alte Ansichtskarte


Altdeutsche Weinstube nach 1945 mit freigelegtem Fachwerk
Alte Ansichtskarte



Altdeutsche Weinstube 1930
Alte Ansichtskarte


Die Altdeutsche Weinstube warb 1930 mit:
Größtes altbekanntes Weinrestaurant, Hann. Münden, am Rathaus, Besitzer: Bernhard Helbing, Fernsprecher 290.




Altdeutsche Weinstube 1930
Alte Ansichtskarte


Weinstube und Weinhandlung R. Kunth

1910 wird noch erwähnt die Weinstube und Weinhandlung R. Kunth in der Lohstraße 9. Leider wurde das Haus vor einigen Jahren abgerissen, so dass heute nur noch eine Baulücke an der Stelle zu sehen ist, an der die frühere Weinstube gestanden hat. 




Weinhändler in Münden


Am Questenberg wohnten um 1900 noch einige Weinhändler:

Die Häuser Questenbergweg Nr. 3, erbaut in den 1860er Jahren und Nr. 4, ein idyllisch gelegenes Borkenhäuschen,  gehörten Ende des 19. Jahrhunderts dem Weinhändler Richard Kunth. Beide Häuser existieren heute nicht mehr.



Frühere Stelle der Häuser des Weinhändlers Richard Kunth
Foto: Dankward Heinrich


Der Weinhändler Adolf Müller erbaute 1903 das Haus Questenbergweg frühere Nr. 15, das danach dem Weinhändler Oskar Müller gehörte, genauso wie das Haus frühere Nr. 14. 
Quelle: Gustav Blume: Münden vor fünfzig, sechzig Jahren, Münden 1935, Nachdruck 1986, 289



Questenbergweg, frühere Nr. 15, Baujahr 1903/04
Foto: Dankward Heinrich


Questenbergweg, frühere Nr. 15
Foto: Dankward Heinrich


Questenbergweg, frühere Nr. 15, Initialen OM des Weinhändlers Oskar Müller
Foto: Dankward Heinrich


Questenbergweg, frühere Nr. 15
Foto: Dankward Heinrich


Questenbergweg, frühere Nr. 15, Weinsymbole
Foto: Dankward Heinrich





Auch wenn es keinen Mündener Wein heute mehr gibt, eine Traditions-Weinstube gibt es immer noch: 


Spirituosen-, Wein- und Obstweinschänke Louis Winkelmann (LouWi), seit 1853

 

Türschild Spirituosen-, Wein- und Obstweinschenke
Foto: Dankward Heinrich


In dem Laden und der Gaststätte Winkelmann (bzw. Probierstube) wurden anfangs selbst hergestellte Produkte verkauft, z.B. gebrannte Spirituosen, Obstweine, Essig und Limonaden. Die Obstweine sind noch heute noch die Spezialität der Weinstube (aus Unterrieden oder Waldeck). 


Mündener Traditionsweinlokal Louis Winkelmann
Foto: Dankward Heinrich


Zur Geschichte des Hauses:

  • 1853 stellt Destillateur Friedrich Diesenberg Spirituosen her, möglicherweise auch schon Obstweine.
  • 1867 wird „Diesenberg Liqueurfabrik“, im Cataster erwähnt.
  • 1877 heiratet der Schiffer Louis Winkelmann Marie Diesenberg, Tochter des Destillateurs.
  • 1897 erfolgt der Einbau eines Schaufensters in den bereits vorhandenen Laden. In der dahinter gelegenen „Probierstube“ konnten Kunden Getränke verköstigen oder durch eine „Luke“ im Hausflur einkaufen.
  • 1928 erfolgt der Einbau einer Ladentür neben dem Schaufenster.
  • 1936 wird die Haustür zu einer breiteren Einfahrt (Toreinbau) verbreitert.
  • 1950 gestaltet der Mündener Maler und Zeichner Alfred Hesse (1889 -1955), der als Begründer der Mündener Stadtbildpflege gilt, in der Weinstube die Wandmalerei „Mündener Originale“.




Wandmalerei Mündener Orginale 
Foto: Dankward Heinrich


Wandmalerei Mündener Orginale 
Foto: Dankward Heinrich


Wandmalerei Mündener Orginale 
Foto: Dankward Heinrich


Wandmalerei Mündener Orginale
(Omi = Otto Mittelacher = Chefredakteur der Mündenschen Nachrichten) 

Foto: Dankward Heinrich


Wandmalerei Mündener Orginale 
Foto: Dankward Heinrich

Kommt man als Mündener Jung nach Jahren heute (2017) in Münden als Gast zu Besuch und sucht einen gepflegten Wein zu fairen Preisen zu verkosten, so stellt man schnell fest: Wenig ist von der Tradition des ehemaligen Weinbaus, der ehemaligen Weinhäuser und der Weinhändler Mündens  geblieben. 

Der ehemalige Ratsweinkeller beherbergt jetzt ein lokales Brauhaus. Neben Louis Winkelsmanns orgineller historischer Weinstube, in dem neben den Obstweinen sicher auch der fränkische Silvaner eine Chance verdient, fühlt sich vielleicht noch das jahrzehnte alte Hotel Schlossschänke am alten Welfenschloss am Ehesten dem guten Wein verpflichtet. 

Möge in den kommenden Jahren die Mündener Weinkultur wieder ihren wohlverdienten Aufschwung erleben. Vielleicht versuchen Freunde des Weines es ja auch wieder mit dem Weinanbau in Münden wie vor rund 500 Jahren. Der gegenwärtige Klimawandel könnte dies, wie beim erneuten Weinbau in Witzenhausen und Göttingen, begünstigen.